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08.04.2018

Gelobtes Land (Teil 5)


"So gut wie dort", sagt er. "Wir haben es geschafft!"

"Noch nicht", flüstere ich zurück. "Das schwierigste Stück liegt noch vor uns."

"Keine Sorge. Wir sind schnelle Läufer und können klettern. Denk an den Löwen. Es wird alles gut."

Jetzt gibt Mr. Rahmani das Signal. Wir schleichen die Düne hoch, rennen an der anderen Seite hinunter. Einige straucheln und wirbeln in einer Sandwolke den Hang hinab. Ich stolpere, als ich den festeren Boden erreiche, aber Mbelu packt meinen Arm und zerrt mich mit sich.

Scheinwerfer flammen auf, überfluten die Ebene mit Licht. Stopp-Rufe und erschrockene Schreie von uns hallen. 

"Achte nicht darauf", höre ich Mbelus Stimme. "Wir sind fast dort!" Und ich tue, was er sagt, ich renne weiter.

Mehr Rufe, dann Gewehrfeuer. Immer noch stürme ich weiter,
im Zickzack, meinen Kopf gesenkt. Ich erreiche den Zaun, erklimme ihn. Ich spüre einen brennenden Schmerz in meinem Arm, als ich auf der anderen Seite hinunterspringe.

Schreie, Schüsse, Befehle, das Rauschen meines Blutes in den Ohren mischen sich zu einem Strudel. Mit letzter Kraft erreiche ich die Mauer, wische den Staub aus meinen Augen und schaue hoch. 

Keine Seile. Keine Verbündeten, die auf uns warten, uns hochziehen.

Zwei, drei Schüsse explodieren an der Mauer neben mir. 

"Stop!", brüllt eine Megafon-Stimme in meinem Rücken. "Keine weitere Bewegung!"

"Wir sind betrogen worden, Mbelu. Sie haben uns erwischt. Was sollen wir tun?"

Doch der Mann neben mir ist nicht Mbelu. Es ist einer der verheirateten Männer, sein Gesicht Sand- und Tränenverschmiert. Er schaut zum Zaun zurück, wo seine Frau verzweifelt nach ihm ruft. Sie wird von zwei Soldaten abgeführt.

Drei Gestalten liegen auf dem sandigen Streifen zwischen dem Zaun und der Stelle, wo weitere Soldaten den weinenden Ehemann und mich in Schach halten. Der Rest unserer Gruppe hat es nicht einmal über den Zaun geschafft. Mein Blick schweift über das Durcheinander winkender und schreiender Menschen auf der anderen Seite. Mbelu ist nicht unter ihnen.

Dann, während uns die Soldaten wegschleifen, sehe ich mir nochmal die zusammengesackten Körper im Sand an. 

Ich kenne dieses Hemd, diese Hose.

ENDE