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17.04.2017

Go West! (Teil 4)



Mutter weinte, als ich ihr meine Entscheidung mitteilte. Vater, obwohl erschüttert, sah das Ganze von der praktischen Seite. 
 
"Du könntest unterwegs sterben. Amerika ist ein gefährliches Pflaster. Wer weiss, was für ein Kerl dieser Lüscher ist? Er könnte ein entflohener Sträfling sein oder hat eine andere Frau mit ihren Kindern sitzen lassen."

"Er war nie verheiratet. Ich habe den Pfarrer und den Lehrer gefragt. Beide beschrieben ihn
als ernsthaften, sehr schweigsamen Mann. Seine gesamte Familie starb an Blattern. Deshalb
ist er ausgewandert."

"Hm ... Er kann sich die Passage für mehr als zweihundert Franken leisten. Dazu das Geld für Mahlzeiten und Übernachtungen, ganz zu schweigen vom Pass und den Anwaltshonoraren. Schlecht gestellt ist er wohl nicht." 


Und Vater gab mir seinen Segen.

"Schreib uns, hörst du", schluchzte Mutter am Tag meiner Abreise und gab mir einen
Proviantkorb, der eine Armee hätte ernähren können.

Auch der Pfarrer, der Lehrer und Theres mit ihrer Familie waren zu meinem Abschied
gekommen. Meine Geschwister umarmten mich der Reihe nach. Sogar
Josi und Walti waren da. Vater brachte mich mit dem Fuhrwerk nach Aarau. Als wir losfuhren, drehte ich mich noch mal um, winkte und rief: "So long!", und brauchte dabei so ziemlich meinen ganzen Englischwortschatz auf.
 
"Du hättest es schlechter treffen können", flüsterte mir Vater ins Ohr, als er mich am
Bahnhof umarmte. Hätte ich mich getraut, wäre ich umgekehrt.

Zwei Tage Sturm! Wie kann jemand Matrose werden wollen? So krank war ich noch
nie. Vielleicht lenkt mich eine Englischübung ab.

"Where are you from? I am from Switzerland. Does you - nein - do you speak German? Speak slow, please." Dieser Satz klingt komisch, aber es ist schliesslich eine seltsame Sprache. Manchmal denke ich: "Das lernst du nie!" Die Aussprache ist besonders schwierig. 

Vor drei Tagen, als ich noch essen konnte, wollte ich dem Steward ein Kompliment machen. Ich sagte: "Fis foot ist rally dilicous", aber er hat mich nicht verstanden. Vielleicht spricht er auch kein Englisch?
(Fortsetzung folgt) 

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