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12.03.2017

Go West! (Teil 3)

Huber&Gutknecht waren nette, alte Herren.

"Herr Lüscher wanderte vor fünf Jahren in die Vereinigten Staaten aus", erklärte mir Herr Gutknecht. "Er besitzt eine Farm in Kalifornien und möchte sie mit einer Ehefrau teilen. Er denkt, dass, um seine Worte zu gebrauchen, 'die ansässigen Frauen faule Püppchen' sind. Wie dem auch sei, er bevorzugt eine Schweizerin."

"Ich verstehe."

"Solche Geschäfte sind delikat. Sie werden uns die folgenden Fragen nachsehen. Sie waren noch nie verheiratet? Sind gesund? Es gibt keinen bestimmten Grund, warum Sie das Land verlassen wollen? Sie sind nie ... ähm ... mit dem Gesetz in Konflikt geraten?"

"Um Gottes Willen, nein!"

"Sehr gut. Sollten Sie zusagen, erhalten Sie alle nötigen Papiere, um nach San Francisco zu gelangen, wo Ihr zukünftiger Gatte Sie abholen wird. Für Ihren Unterhalt während der Reise ist gesorgt."

"Sprechen Sie Englisch?", fragte Herr Huber.

Ich schüttelte den Kopf.

"Natürlich nicht. Vielleicht wären Stunden angebracht?" Er reichte mir eine Karte. "Dieser Herr wird Ihnen weiterhelfen. Ein Studienkollege von mir. Lebte einige Jahre in England."

Ich erschrak. "Aber ich kann mir das nicht ..."

Herr Gutknecht hob die Hand. "Es ist alles arrangiert. Oh, und hier ist ein Bild von Herrn Lüscher. Wir wollen Sie nicht drängen, aber wir bräuchten Ihr Einverständnis bis nächsten Freitag. Die Vorbereitungen ... Sie verstehen."

Ich betrachtete meinen Verlobten lange.
Der Märchenprinz war er nicht. Dunkler Anzug, ernstes Gesicht, streng gescheiteltes Haar, ein Preussen-Schnurrbart, der ihm absolut nicht stand. Doch ich mochte seine Augen, den warmen, mitfühlenden Blick. 

Er schien etwa fünfunddreissig zu sein, aber der Altersunterschied störte mich nicht. Die jungen Männer in meiner Umgebung waren entweder alle verlobt oder Habenichtse wie ich. Mit seiner Farm konnte mir Lüscher eine Zukunft bieten. Herr Huber berichtete mir, Lüscher sei in einem Weiler nahe meines Dorfes aufgewachsen, und ich glaubte, ihn in der Kirche und an Festen gesehen zu haben.

"Ich werde mich melden", versprach ich und ging.
(Fortsetzung folgt)

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