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11.02.2017

Go West! (Teil 2)



Ich zuckte die Schultern. Was wusste sie schon, verheiratet und schwanger mit ihrem ersten
Kind, obwohl sie vier Jahre jünger war als ich?

Ich bin die zweite von zehn Geschwistern. Mein ältester Bruder wird einmal das elterliche Gut übernehmen. Wir übrigen müssen unseren Unterhalt anderswo verdienen. Es ist schwierig, Arbeit zu finden. Manchmal suchen die Fabriken neue Leute. 


Schlecht bezahlte Vierzehn-Stunden-Anstellungen, die dich vor Fasern und Russ in der Luft die Lunge aushusten lassen. Viele Familien haben dennoch keine Wahl, als ihre Kinder dorthin zu schicken. Sie müssen unter die Webstühle kriechen und gerissene Kettfäden flicken. Für diese gefährliche Arbeit sind Erwachsene unbrauchbar.
 
Auch meine Eltern konnten uns nicht alle zu Hause behalten. Zwölf hungrige Bäuche, aber wenig Brot. Also verdingten sie meine Schwester Josi an ihren Götti und meinen jüngsten Bruder Walti an Vaters Schulfreund. Natürlich müssen
Walti und Josi für ihren Unterhalt hart arbeiten, aber wenigstens können sie weiter zur Schule gehen, bekommen zu essen und werden gut behandelt. Nicht alle Verdingkinder haben so viel Glück. Was wohl spätere Generationen darüber denken werden? Werden sie uns zugestehen, dass einem die Armut keine Wahl lässt?

Vater erlaubte mir, auf dem Hof zu bleiben, bis ich heirate. Als ich das Plakat sah, war ich fünfundzwanzig – und kein Freier in Sicht. Die Leute im Dorf nannten mich bereits "die
Jumpfer". Meine Aussichten waren alles andere als rosig.

Die ganze Nacht wälzte ich Gedanken. Am Morgen kratzte ich mein Erspartes zusammen, fragte Mutter, ob ich den Tag frei bekommen könnte, und erbettelte mir eine Mitfahrgelegenheit von einem Bauern auf dem Weg zum Markt in Aarau.
(Fortsetzung folgt)

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