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03.12.2016

Auf die Liebe (Teil 4)



Ich nähere mich dem Anfang des Sagenweges. Ab dort windet sich der schmale Pfad durch eine Minischlucht und den Wald zum Burgfelsen. Als Kinder verbrachten Rita und ich fast jede freie Minute auf der Ruine Rifenstein zwischen Reigoldswil und Titterten. 


Es gibt viele Sagen über das alte Gemäuer, das heute aus einem gewissen Winkel eher einem hohlen Zahn, als einer stattlichen Ritterburg gleicht. Schätze sollen dort vergraben sein, sagt man. In gewissen Nächten soll eine goldene Deichsel aus dem Felsen ragen. Wem es gelänge, den dazu gehörenden Wagen aus dem Berg zu ziehen, dürfe den Schatz behalten. Stoff genug, Kinderphantasien anzuregen. 

Ich geniesse das Rauschen des Baches, wie die Sonne durch das spärliche Blätterdach scheint, wie meine Schritte im Laub vom Vorjahr rascheln, sogar wie Herz und Atem vor Anstrengung schneller gehen. Der Geruch von Bärlauch sticht mir in die Nase. Wie viele Kilo davon muss ich gepflückt und für den Salat nach Hause getragen haben? Mutter hackte ihn auch, legte ihn in Öl ein. Heute nennt man das Bärlauch-Pesto, für uns war es einfach Frühlingsöl. 

Unten am Burgfelsen lasse ich meine Stöcke zurück. Eine schmale, bröckelige Treppe führt zur Burg. Schilder warnen: Betreten auf eigene Gefahr. Ich muss über den Widerspruch schmunzeln: Warnschilder, aber drei Grillstellen. Ich klammere mich ans Geländer. Als ich zum Rekognoszieren hierherkam,
musste ich zu meiner Schande einsehen, dass ich nicht mehr so beweglich und schwindelfrei bin wie früher. Damals turnten wir wie die Gämsen in den Ruinen herum.

Im ersten Burghof angekommen, stelle ich meinen Rucksack ab und geniesse die Aussicht. Weit unten, auf der anderen Talseite, kurvt das Postauto vorbei. Erstaunlich, wie gut man den Motorenlärm hier oben hört. Die Bise braust über die Wipfel, eine Amsel singt. Um die Feuerstelle und über die Mauern huschen Eidechsen, rascheln im Laub und Efeu. Huflattich leuchtet golden im Gras und aus Mauerritzen. Eine rote Bank klebt an einem restaurierten Mauerteil.

Ich hoffe, Konrad wird nicht kneifen.

Ich stelle mir vor, wie er sein Auto unten beim Reiterhof abstellt, sich auf den Weg zur Burg macht, sich kopfschüttelnd fragt, warum ich ihn ausgerechnet hierher bitte.

Ich lehne den Rucksack an die Mauer, packe als Erstes den Wein aus und stelle ihn auf die Bank. Der Picknick-Korb verheddert sich im Rucksackstoff, und ich habe Mühe, ihn herauszuziehen. Die verpackten Gläser stelle ich vorerst neben die Weinflasche. Denen darf auf keinen Fall etwas passieren. Mit der ausgebreiteten Decke neben der Grillstelle sieht der Burghof richtig romantisch aus. Und dafür soll Konrad mich schliesslich halten, für eine hoffnungslos romantische, mit fünfundvierzig noch recht ansehnliche Witwe.
(Fortsetzung folgt)

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