Cookies

This site uses cookies, for example to provide statistics, or to enable you to post comments. If you don't want that, please, adjust your personal browser to block cookies. (If you do so, the site might not run smoothly anymore.)
I apologise for any inconvenience.

Diese Seite verwendet Cookies, z.B. zum Erstellen von Statistiken, aber auch, um das Posten von Kommentaren zu ermöglichen. Ist dies unerwünscht, bitte den persönlichen Browser so einstellen, dass Cookies blockiert werden. (Es könnte sein, dass dadurch die Seite nicht reibungslos läuft.)
Ich entschuldige mich für eventuelle Unannehmlichkeiten.

19.11.2016

Auf die Liebe (Teil 3)



Am ersten Tag, hatte ich mit dem Gedanken gespielt zu klingeln, und zu fragen, ob ich das Haus besichtigen dürfe. Doch ich sah davon ab. Je weniger Leute wussten, wer ich war, desto besser.

Eine Gruppe Nordic-Walkerinnen kommt mir entgegen, grüsst. Ab dem Reiterhof wird die Strasse von einem gemergelten Weg abgelöst. Der Berner Sennenhund dort verbellt mich. Sogar das heimelt an. Die Wiesen strahlen in sattem Grün, aber die Obstbäume schlafen noch. Ein paar warme Tage, und die Knospen werden in eine weisse Blütenpracht explodieren.


Es war ein ebenso schöner Aprilmorgen gewesen, damals 1981, als Vater mit tränenerstickter Stimme zu erklären versuchte, dass Mutter gestorben war. Eine Nachbarin hatte ihn in der Schreinerei angerufen, die Maja sei zusammengebrochen. Sie hätte sie vor dem Briefkasten gefunden. Wir haben nie herausgefunden, ob der Herzinfarkt sie dort übermannte, oder ob sie sich noch so weit hatte schleppen können.

Ich begriff das nicht. Nur alte Menschen starben. In mir war alles taub. Im Dorf und in der Schule wollten mich alle trösten. Wozu? Ich war nicht traurig – dachte ich – nur wütend. Ich versuchte mit Vater darüber zu reden, wollte ihn fragen, was mit mir nicht stimmte. Jedes Mal brach er in Tränen aus. Zum Glück war da Rita.
Sie erklärte, nahm mir die Wut und die Alpträume. Und später war sie es, die mich aufklärte, meine Teenagerlaunen ertrug, Schminktipps gab, dafür sorgte, dass ich ob all der rasenden Hormone und Schlange stehenden Jungs die Schule nicht vergass.

Rita hatte bei Mutters Tod gerade ihre KV-Lehre als Jahrgangsbeste abgeschlossen. Nach den Ferien sollte sie in einer Kanzlei in Liestal anfangen. Ihr zukünftiger Chef war verständnisvoll. Natürlich musste sie sich um die Familie, vor allem die zehn Jahre jüngere Schwester kümmern. Sie solle sich melden, wenn alles wieder gewohnte Bahnen ging. Aber das tat sie nie. 

Ein, zwei Jahre später lernte sie Marcel kennen. Der eroberte nicht nur sie, sondern auch Vater und mich im Sturm. Noch heute ist er für mich der Märchenprinz schlechthin. Gross, gutaussehend, charmant – ein Schatz von einem Mann. Das Einzige, was ich an ihm nie begriff, war sein Mangel an Ehrgeiz. Er hätte es weit bringen können. Aber ihm genügten seine Familie und die Stelle in der Autowerkstatt und später bei der Wasserfallenbahn.
(Fortsetzung folgt)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen