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23.10.2016

Auf die Liebe (Teil 2)



"Das bezweifle ich. Es ist fast alles erledigt. Ich muss mich nur noch von meiner Schwester verabschieden."

Nach dem Frühstück, Rucksack und Walking-Stöcke gesattelt, bleibe ich einen Moment vor dem Gasthof stehen. Reigoldswil – Reigetschwyl, wie wir hier sagen – musste sich nach dem Zusammenbruch der Seidenbandindustrie eine neue Einnahmequelle suchen, und hat sie im Wandertourismus gefunden. 

Wie wenig sich das Dorf in dreissig Jahren verändert hat! Ich sehe mich um, wie es nur jemand kann, der weiss, dass er nie mehr an einen Ort zurückkehren wird. Das mit Schmierereien bedecke Wartehäuschen mit Toilette ist neu. Davor zielt eine klotzige Granit-Diana mit ihrem Bogen in den Himmel. Den Pfeil muss man 


sich denken. Die Hintere Frenke fliesst heute Morgen ganz friedlich in ihrem gemauerten Bett zwischen den altehrwürdigen Häusern hindurch. Er kann auch anders, dieser schmächtige Bach. 

Es ist ein strahlender Aprilmorgen, doch mein Atem steigt in Wölkchen auf. An Ostern hat es noch einmal weit hinunter geschneit. Die Hügelkuppen rund herum sind verzuckert. Der Rucksack auf meinem Rücken drückt, aber ich werde zwei freie Hände brauchen. Aufgeregt wie ein Teenager vor dem ersten Date breche ich auf.

Ich lasse den Dorfplatz hinter mir. Die ansteigende Strasse führt mich am Museum 'Im Feld' vorbei. Ich bewundere die Schönheit des alten Bauernhauses. So etwas gibt es bei uns nicht. 

Kurz darauf bin ich auf freiem Feld. Ich bleibe stehen, spähe nach links in die Senke. Dort steht es, unser Haus. Bis auf den Wintergarten, den die neuen Besitzer anbauen liessen, sieht es immer noch gleich aus. Ich habe das Gefühl, Rita müsse jeden Moment aus der Haustür treten, mir zuwinken, einen schönen Tag in der Schule wünschen. 

Die Tür bleibt zu. 

Am ersten Tag, hatte ich mit dem Gedanken gespielt zu klingeln, und zu fragen, ob ich das Haus besichtigen dürfe. Doch ich sah davon ab. Je weniger Leute wussten, wer ich war, desto besser.
(Fortsetzung folgt)

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