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09.05.2015

Unbesungener Held (Teil 4)

"Du Schwein!" Opa ballte die Fäuste.

Der Korporal grinste höhnisch, drehte sich um und zog sich ins Wachthäuschen zurück.

Die Frau fiel auf die Knie und begann, die Reste vom Boden zu klauben.

"Tun Sie das nicht", sagte Opa. "Wir haben noch welches." Er drehte sich zu Hans um, wollte ihn um die zweite Hälfte bitten, aber sein Freund schlang gerade den letzten Bissen hinunter.

"Was?", sagte er auf Opas wütenden Blick. "Ich war auch hungrig."

Opa wandte sich an die Frau. Mit Händen, Füssen und den wenigen Französisch-Brocken, die er beherrschte, gab er ihr zu verstehen, sie solle hundert Meter weiter links, wo ein Bach unter dem Zaun durchlief, auf ihn warten.

Dann rannte er die zwei Kilometer zurück zum Dorf, überredete den Bäcker, ihm für die Hälfte seines nächsten Soldes einen weiteren Laib zu überlassen. Nach einem Umweg durch den Wald erreichte er den Flecken, den er der Frau beschrieben hatte. Es war schwierig, unter dem Zaun durch in Feindesland zu schleichen,

ohne das Brot nass werden zu lassen. Aber er schaffte es. Die Frau traute ihren Augen nicht.
Der Doubs an der Schweizerisch-Französischen Grenze
Als Opa zu seinem Posten zurückkehrte, nass bis auf die Haut und zitternd vor Kälte, war Hans verschwunden. An seiner Stelle wartete Opas Vorgesetzter. Die Hände in die Hüfte gestemmt wippte er von Zehen zu Ferse und wieder zurück.

"Ich hoffe, Sie haben den Spaziergang genossen, Füsilier. In nächster Zeit werden Sie nämlich nicht weit gehen."

Opa verbrachte zwei Wochen im Arrest, weil er seinen Posten verlassen hatte.

"Ich bereue nur", sagte er mir mehr als sechzig Jahre später, an jenem Sonntag Nachmittag, "dass ich nie herausgefunden habe, was aus der Frau geworden ist."

Am Seeufer sitzend, sein Tagebuch lesend, fühlte ich mich einsamer als jemals zuvor in meinem Leben.

"23. November: Reichte einer Französin einen Laib Brot durch den Zaun."
ENDE

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