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15.03.2015

Unbesungener Held (Teil 1)

Ich sah auf den ordentlichen Stapel Notizhefte vor mir – alles, was von meinem Grossvater übrig geblieben war.

Der Anruf war um 3 Uhr morgens Sydney time gekommen.

"Opa ist gerade gestorben." Mutters Stimme klang nicht, als reiste sie sechzehntausendsechshundert Kilometer durch den Äther.

"Ich nehme den nächsten Flieger."

"Nein. Er bestand darauf, dass du bleibst. Er bat mich, dir auszurichten, eine Beerdigung sei kein Grund, deine Examen zu verpassen."
Der Doubs, Nähe französisch-schweizerische Grenze
Das klang so nach Grossvater. Er hatte mein Studium in Australien
zum Teil finanziert. Kurz vor meiner Abreise erkrankte er, drängte mich aber, trotzdem zu gehen.

"Möchtest du von seinen Sachen etwas als Andenken?" fragte Mutter.

"Seine Tagebücher. Vorausgesetzt, niemand sonst will sie."

Sie lagen auf meinem Schreibtisch, als ich zwei Wochen nach meinem Abschlussexamen nach Hause kam. Trotz Jetlag packte ich sie, ging zu meinem Lieblingsplatz am See. Ich setzte mich unter einen Baum und fischte eines der Hefte aus meinem Rucksack. Der Einband war schwarz-weiss marmoriert. Auf der Etikette stand 1943. Opas kleine, saubere Schrift füllte linierte Seiten, die um die Kanten vergilbten und modrig rochen. Ich liess den Zufall eine Seite wählen, schlug auf.

"23. November: Reichte einer Französin einen Laib Brot durch den Zaun."

Ich lächelte, erinnerte mich an den Sonntagnachmittag, als mir Opa die Geschichte erzählte. Der Geruch seines "Kafi-Fertig", eine Dose von Omas selbstgemachten Brätzeli auf dem Tisch, das Klicken ihrer Stricknadeln im Hintergrund.
(Fortsetzung folgt)

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