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14.02.2015

Schamlose Eigenwerbung

DIE VENEZIANISCHEN PERLEN (eBook) kann bis zum 28. Februar zum Aktionspreis von CHF 0.92 heruntergeladen werden. Da es aber so viele "kauft mein Buch" Posts im Cyberspace gibt, dass man unmöglich alle durchsehen, geschweige denn kaufen kann. Deswegen folgt hier ein kleiner Vorgeschmack darauf, was Ihr erwarten könnt. Lasst mich wissen, wie es Euch gefällt.  

 
3.) nickyadventure@myblog.com: Chris und ich haben einen neuen Freund. Er heisst Daniel. Er ist sehr nett, aber anders als wir – und doch genau gleich.

Daniel stöhnte und legte sein Buch hin. Ein weiterer Kiesel prallte gegen die Rückenlehne der Bank. Der Strand strahlte angenehme Wärme ab. Das blonde Haar von Daniel wurde vom Wind zerzaust. In der Bucht tanzten rote, weisse und blaue Fischerboote auf den Wellen. Die Jacke, die ihm seine Mutter aufgedrängt hatte, lag zusammengefaltet über der Rückenlehne. Wie gut, eine Weile von zu Hause weg zu sein. Noch besser wäre es gewesen, hätte er in Ruhe lesen können.

Der nächste Stein prallte von der Lehne ab und traf Daniels Ohr.

Er drehte sich um.

"Lasst mich in Ruhe, OK?"

Die zwei Jungen feixten. Sie trugen Bermuda-Shorts, T-Shirts, Ellbogen- und Knieschoner. Zwei metallic-blaue BMX-Räder standen am Rand des Strandwegs.

"Das ist unsere Bank", rief einer. Sein Gesicht war mit Sommersprossen übersäht.

Daniel sah sich demonstrativ um. "Kann kein Namensschild entdecken."

Der zweite Junge, kleiner und gedrungener als sein Freund, schleuderte einen weiteren Stein. "Weg da!"

Daniel schüttelte den Kopf, drehte sich um und nahm sein Buch. Die zwei kamen auf ihn zu, ihre Schritte knirschten auf dem Sand und Kies. Daniel nahm an, sie würden ihn noch eine Weile nerven und ihn schliesslich in Ruhe lassen. Deswegen überraschten sie ihn total.

Der Gedrungene zog Daniel am T-Shirt-Kragen auf die Füsse. Er war
überraschend stark. Daniel liess das Buch fallen. Sommersprosse versetzte dem Buch einen Tritt, dass es davon flog.

 
Der Typ muss ein toller Fussballspieler sein, musste Daniel widerwillig zugeben.

Bevor Daniel überhaupt eine Chance hatte zu reagieren, hatte ihn der Gedrungene herumgedreht. Er packte Daniels Arme hinter dessen Rücken mit festem Griff und sagte ihm ins Ohr: "Wenn du auf unserer Bank sitzen willst, musst du bezahlen."

"Vergiss es", schnaubte Daniel.

"Du wirst zahlen." Sommersprosse holte zu einem Tritt gegen Daniels rechtes Bein aus.

Linksfüsser. Wie Messi, dachte Daniel.

Die Kraft des Tritts hätte einen jungen Baum gefällt. Daniel zuckte mit keiner Wimper. Sommersprosse jedoch hüpfte auf dem rechten Fuss herum, fluchend, das Gesicht schmerzverzerrt.

Der Gedrungene starrte seinen Freund an. "Was ist los? Was ist passiert?" Aber er liess nicht los. Daniels Schultern begannen zu schmerzen.

Als sich Sommersprosse wieder Daniel zuwandte, war alle Farbe aus seinem Gesicht gewichen. Seine Kiefermuskeln verkrampften sich. "Das zahlen wir dir heim."

Mit  geballten  Fäusten  kam  er auf  Daniel  zu, der sich im Griff des Gedrungenen wand. Der gluckste vor sich hin. Sein Atem strich an Daniels Ohr vorbei. Daniel schloss die Augen, spannte seine Muskeln und wartete auf den Aufprall von Sommersprosses Faust.

"He, ihr. Habt ihr ein Problem?" Die Stimme eines Mädchens.

Daniel öffnete die Augen. Ein Mädchen und ein Junge kamen auf sie zu. Das Mädchen trug eine Jeans-Tasche über der Schulter, der Junge eine Jeansjacke.

"Geht euch nen feuchten Dreck an." Mit erhobenen Fäusten machte Sommersprosse ein paar Schritte auf das Mädchen zu.

Es liess die Tasche fallen und nahm die Verteidigungsstellung eines Karatekämpfers ein. Der Junge neben ihm hob die Fäuste. Sommersprosse blieb stehen.

Dann wandte er sich seinem Freund zu, blies durch die Nase und sagte: "Die Memme muss von einem Mädchen beschützt werden."

Der Gedrungene lachte wiehernd.

"Ach ja?" Der Junge in der Jeansjacke kam näher. "Und wie nennst du zwei Kerle, die auf einen schwächeren losgehen?"

Der Junge, der Daniel festhielt, liess los. Er schien nicht zu wissen, wohin er sehen oder was er sagen sollte.

"Komm." Sommersprosse wies mit dem Kopf Richtung Fahrräder. "Sollen die sich um den Nerd kümmern."

Die Jungen liefen zum Uferweg zurück, schwangen sich auf ihre Bikes und radelten gestikulierend und Beleidigungen rufend davon.

Daniel liess seine Schultern kreisen, um die Spannung loszuwerden. "Danke. Das war knapp."

Das Mädchen nahm seine Tasche und schüttelte den Sand aus.

"Ich wusste gar nicht, dass du Karate kannst", bemerkte der Junge in der Jeansjacke.

"Kann ich auch nicht." Das Mädchen grinste. "Ich dachte nur, es sei eine gute Idee, die Typen nicht merken zu lassen, wie sehr ich mich fürchtete."

Beide Jungen starrten sie an.

"Wie hast du diesen ersten Tritt abgewehrt?", wollte Nicky wissen. "Von dort, wo wir standen, sah es aus wie ein Hammertritt."

Daniel sah zu Boden. "Oh, das. Das war nichts. Ich werde grantig, wenn mich Leute vom Lesen abhalten." Er linste zu Nicky, um zu sehen, ob sie das schluckte.

"Ich gebe ja zu, das Buch klingt spannend", sagte Nicky. "Aber willst du dich nicht lieber auf den Inseln umsehen, solange das Wetter hält?"

"Ich bin nicht er Forschertyp."

"Stimmt nicht." Die Augen von Chris funkelten. "Und ich kann es beweisen. Wann bist du angekommen?"

Daniel sah Chris mit einer Mischung aus Überraschung und Empörung ins Gesicht. "Gestern. Warum?"

Sollte er auf Chris' Herausforderung eingehen? Was wusste der schon? Daniel war in einigen Sportarten gut und wäre gern auf Erkundungstour gegangen. Wenn ihm bloss seine Mutter nicht alles, was gefährlich werden könnte, verbieten würde. Und das betraf alle Unternehmungen, bei denen sie nicht dabei war. Deshalb hatte sich Daniel aufs Lesen am Strand beschränken müssen. Sein Stückchen Freiheit. Jeder andere Junge hätte auf die Wünsche seiner Mutter gepfiffen. Aber Daniel wusste, fände sie es heraus – und das würde sie – wäre sie bestürzt. Und er schuldete seiner Mutter zu viel, als dass er sie hätte unglücklich machen wollen.

Chris deutete mit dem Zeigefinger auf Daniel. "Blonde Leute werden normalerweise nicht schnell braun. Deine Haut ist eher dunkel. Ich denke, du verbringst viel Zeit im Freien."

Daniel   schmunzelte.  " Sehr  gut,  Sherlock.  Aber
was, wenn ich im Solarium war?"


"Dann wäre deine Bräune regelmässiger. Du hast aber hellere Stellen am Hals und an den Armen, dort, wo das T-Shirt aufhört."

"Was hast du mit dem Fuss jenes Jungen angestellt?", fragte Nicky. "Du hättest dich vor Schmerzen winden müssen nach dem Tritt, nicht er."

Daniel kratzte sich am Ohr. Das war er, der Moment, wenn er Fremden davon erzählen musste. Der Moment, in dem sie verstanden, mitleidig nickten, sich umdrehten und nie mehr zurückkamen. Aber diese zwei schienen anders zu sein. Sollte er es riskieren? Er atmete tief ein und wagte es: "Ich erzähle nicht jedem davon. Aber ihr habt mir geholfen. Es ist… tja…"

Wie die richtigen Worte finden? Ja. Es war einen Versuch wert. Er ging zur Bank und schlug sein rechtes Bein zwei Mal gegen das Holz. Nicky und Chris erschraken beide über den harten, hohlen Ton und starrten Daniel verblüfft an.

"Eine Prothese." Daniel regte sich auf, dass seine Ohren so heiss geworden waren. "Ein künstliches Bein."

"Du machst wohl Witze?"

"Kann nicht sein." Nicky schüttelte den Kopf. "Du hinkst nicht einmal."

"Ich weiss. Aber es stimmt." Er sah in ihre ausdrucklosen Gesichter, wusste, was gleich geschehen würde. Jeden Moment würden sie sich erinnern, dass sie noch etwas Dringendes erledigen mussten, und weggehen. Das kannte er schon.

Die Zeit stand still, als sie alle wie festgefroren dastanden.

Chris räusperte sich und fragte: "Aha. Und warum? Ich meine, wie hast du –"

"Wie ich mein Bein verlor?"

Chris nickte.

Die Erinnerung kam mit einem Schlag. Daniel fröstelte. Das Kreischen schwerer Werkzeuge, die sich durch das Metall des Autowracks frassen, füllte seine Ohren. Der Geruch von heissem Eisen mischte sich mit dem seines eigenen Blutes und drohte, ihn zu ersticken.

Er atmete tief ein, hatte Schwierigkeiten, das Zittern in seiner Stimme zu unterdrücken.

"Autounfall. Meine Eltern waren nur leicht verletzt, aber mein Bein wurde zwischen Vorder- und Rücksitz eingeklemmt und von Metallteilen des Autobodens zerschnitten. Als sie mich endlich befreit hatten, konnte es nicht mehr gerettet werden." Daniel setzte sich auf die Bank. Er nahm seine Jacke, fingerte am Buch herum, wagte nicht, den anderen in die Augen zu sehen.

Er war erstaunt, als Nicky sich zu ihm setzte. "Geht's?"

Aus: DIE VENEZIANISCHEN PERLEN, ein N.C.D.-Krimi für 9-12-jährige:
http://www.lulu.com/shop/karin-bachmann/die-venezianischen-perlen/ebook/product-21871682.html

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