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30.11.2013

Wishfulfiment International AG (Teil 1)

In der nächsten Zeit findet Ihr hier eine Geschichte, die mir den 2. Platz im "Writing Magazine" Wettbewerb zum Thema Eifersucht eintrug.
 
Die Nacht kriecht bereits über den Kanal, als du nach Hause kommst. Das Hochhaus ragt in den Abendhimmel wie ein verfaulender Zahn. An den Graffiti strotzenden Wänden und Briefkästen vorbei begleitet dich der Gestank von Urin bis hinauf in die schäbige Wohnung, die du dir als Supermarkt-Kassensklavin gerade leisten kannst.
 
Und dann schaust du aus dem Fenster zu den neugeborenen Luxusappartements hinüber. Wohnungen am Kanal sind der letzte Schrei bei den Yuppies. Dort hängt man sich Lichtensteins an die Wand, trägt Gucci oder Chanel, isst von Paloma Picasso Tellern und trinkt seinen Cuvée aus Riedl Gläsern. Wie diese glamouröse Dame, die du seit einigen Tagen beobachtest.
 
Sie begrüsst ihren heimkehrenden Manager-Gatten mit einem Lächeln. Das nervtötende Grinsen klebt ständig in ihrem Gesicht! Er gibt ihr einen Kuss, hebt sie von ihrem Klavierhocker – oder wo immer sie den ganzen Tag sitzt ­– und trägt sie in jenen anderen Raum, den du für das Schlafzimmer hälst. Dann lässt er

die Jalousie herunter, schliesst dich aus ihrem Glück aus.
 
Du machst dir Abendessen; Spiegelei mit Brot. Die Soapoperas erscheinen dir noch schaler als sonst. Aus Langeweile ziehst du dir einen Mantel über, schleichst dich auf den von der Verwaltung kühn Balkon genannten Betonsims und siehst zu, wie der Prinz und seine Cinderella dinieren. Er füttert ihr gabelweise irgend eine Delikatesse und sie – du hast's erraten – lächelt. Auf dem Tisch stehen brennende Kerzen und Gläser mit Wein.
 
So viel Glück erträgst du nicht länger. Wieder im Wohnzimmer, schaltest du dein Laptop an. Das Beweisstück, dass auch du einmal eine glückliche Gewinnerin warst. Etwas chatten soll die Schatten vertreiben.
 
Doch heute sieht das Display anders aus: golden und übersäht mit Bildern von Luxusartikeln. In der oberen rechten Ecke, so klein, du kannst es kaum lesen, erscheint das Wort "Wunsch" in roten Lettern. Kein Startmenu, keine Icons, die dich zum normalen Desktop bringen könnten. Schulterzuckend bewegst du die Maus. Der Cursor tanzt über die Symbole. Er ist kein Pfeil mehr, sondern ein Zauberstab mit winzigem Stern an der Spitze.
(Fortsetzung folgt)

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