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08.09.2013

Der Schweizer Autor Tom Zai beantwortet 11 Fragen

Ich freue mich, heute im "Blog-Hüpfen" den Autoren Tom Zai vorzustellen. Ich lernte ihn dank eines Hinweises von Alice Gabathuler (engagierte Kinderbuchautorin und  gemeinsame Freundin) auf Twitter kennen. Im Februar 2013 durfte ich Tom dann anlässlich der Buchvernissage von "Mord in Switzerland" in Herisau IRL treffen. Er beantwortet mir einige Fragen dazu, wie er das Schriftstellerdasein erlebt, und was ihn umtreibt. Meine Antworten auf seine Fragen findet ihr unter http://www.tomzai.ch/pages/posts/karin-bachmann---blog-huepfen-240.php



Die wichtigste Frage zuerst, Tom: Woran arbeitest Du gerade und wann dürfen wir mit der nächsten Publikation von Dir rechnen?
Danke, dass ich bei diesem Blog-Hüpfen mitmachen darf, und dass du an mich gedacht hast – an einen völlig unbekannten Autoren.
Ich arbeite an zwei Romanen. Der erste erscheint im März 2014 (da bin ich in der Überarbeitungsphase), der zweite soll die Geschichte fortsetzen (da wird die Rohfassung nächstens fertig).

Warum hast Du angefangen zu schreiben? Gab es ein bestimmtes Ereignis, das Dich angestachelt hat?
Ich wollte Schriftsteller werden, noch bevor ich lesen und schreiben konnte. Meine Mutter las uns Jim Knopf auf Schweizerdeutsch vor – simultan übersetzt. Seither sind Geschichten, je fantastischer, desto besser, immer Teil meines Lebens gewesen.
Dann war da diese Wanderwoche im Schweizerischen Nationalpark.

Ich war sechsunddreissig und eine ganze Woche weg von meiner Frau und den drei kleinen Kindern. Auf einem Bergrücken machte sich meine Fantasie selbständig, und ich sah einen Roman vor mir – zumindest den Anfang und das Ende. Eine mystisch-despotische Schreckensvision über den Verlust von Familie, Sicherheit und Realität.
Aber da war ich noch nicht wirklich ein Schriftsteller. Ich brauchte zehn weitere Jahre, um die Fantasie in Papierform zu bringen, und weitere zwei um zu verstehen, dass ich tatsächlich Autor geworden war.

Welche Genres schreibst Du?
Ich könnte mich aus der Affäre ziehen und sagen: Ich schreibe Cross-Over. Aber so einfach ist das nicht. Mein Erstling (Eisenhut) ist diesbezüglich eine Zumutung. Ich bezeichne ihn als Mystery-Thriller, obschon er auch ein „Roadmovie in Buchform“ ist, auch ein bisschen Fantasy sowie skurrile Gegenwartsliteratur und vielleicht sogar Dystopie.
Meine nächsten beiden Bücher, wie gesagt noch nicht erschienen, bezeichne ich als skurrile Thriller. Sie sind griffiger, was das Genre betrifft, also näher beim Thriller, möchten aber immer mal wieder ausbrechen.
Schwarzer Humor ist ein Thema. Humor hilft, Szenen die Unerträglichkeit zu nehmen, oder die Perspektive zu wechseln. Die Verschiedenheit von Wahrnehmungen ist Grundprinzip meiner Bücher und führt automatisch zu witzigen Szenen vor todernstem Hintergrund.

Falls Du je das Genre wechseln wolltest, was würdest Du gerne schreiben?
Ich könnte mir vorstellen, reine Krimis zu schreiben. Was mich abschreckt, ist mein fehlendes Hintergrundwissen über Polizeiarbeit.
Ich könnte mir auch vorstellen, Jugendbücher zu schreiben. Dabei verneige ich mich in Ehrfurcht vor den Jugendbuchautoren, die sich alle paar Jahre ein neues Publikum erschreiben müssen.
Ein Traum wäre, so zu schreiben wie Nick Hornby oder John Irving: Alltagsgeschichten auf skurrile, witzige Weise zu schreiben, und dabei ein Thema in seiner Tiefe auszuloten.
Drehbücher würden mich reizen.

Was findest Du schwieriger, eine Geschichte aufs Papier zu bringen, oder sie zurechtzufeilen?
Ich finde das Feilen schwieriger. Ein Plot erschliesst sich mir wie von selber. Es ist, als betrachtete ich einen Film in meinem Kopf. Für mich ist alles schlüssig, mir selber brauche ich die Geschichte nicht zu erklären. Deswegen schreibe ich recht schnell. Es drängt mich vorwärts, als ob ich ein spannendes Buch lesen würde.
Die Detailarbeit, das Feilen an Passagen und so, ist für mich ein notwendiges Übel und Knochenarbeit. Abgesehen davon, kratzt es an meinem Ego, das von Anfang an mit Perfektion rechnet.
Andererseits versuche ich die Metapher des Kruges zu beachten: Krug, grosse Steine, kleine Steine, Sand und Wasser. In dieser Reihenfolge passt alles rein. Mit anderen Worten: ich werde beim Überarbeiten subtiler und versuche am Anfang, die grossen Bögen zu spannen.
Wenn ich mich während der ersten Manuskriptfassung im "Flow" befinde, kommt es vor, dass mein Gehirn auf Phonetik umstellt. Da treffe ich dann beim Überarbeiten auf die abenteuerlichsten Schreibweisen- eine Zumutung für mein Ego.

Hast Du einen Liebling unter deinen Büchern und warum?
Mein nächstes Buch ist mein Liebling. Ich kann mir vorstellen, dass das so bleiben wird. Leider fehlen mir die Vergleichswerte.

Wie integrierst du das Schreiben in Deinen Tagesablauf?
Ich muss mir die Schreibphasen etwas erkämpfen. Mein Hauptberuf füllt mich während vierzig Wochen im Jahr weit über hundert Prozent aus. Dafür habe ich in den anderen Wochen etwas Luft. Dann schreibe ich intensiv:
Morgens überarbeiten, dann zwei bis vier Stunden neue Texte schreiben, ein ausgedehntes Schläfchen am Nachmittag, dann eine weitere Kreativphase bis in den Abend oder die Nacht hinein.

Welcher Deiner Sinne ist beim ersten Funken einer Idee am meisten beteiligt?
Bei mir ist es der Gehörsinn. Das mag überraschen. Aber ich bin der absolute Audioptyp. Beim Schreiben meines nächsten Romans habe ich ausschliesslich Musik von Steven Wilson gehört (Progressive Rock). Ich brauche die Musik nur einzuschalten und befinde mich mitten im Roman. Ausserdem ist der Protagonist geradezu besessen von Geräuschen und Tönen. Der Rhythmus meiner Sätze ist wichtig. Dialoge laufen bei mir ab, wie ein Hörspiel.
Einen weiteren Sinn bezeichne ich kurzerhand als „Wolkenschaufeln“ – in Anlehnung an Kommissar Adamsberg von Fred Vargas. Ich betrachte das Entwickeln von Ideen als natürliches Wachsen. Ich stelle mir eine Schneedecke vor, die alles zudeckt. Darunter ist alles bereit: Knollen, Saat, Ableger früherer Gewächse. Nur hat mein Bewusstsein davon noch nichts mitbekommen. Mein Vertrauen in den Frühling, ins Durchbrechen der Ideen, ist grenzenlos. Ich denke beim Einschlafen intensiv an meine Figuren, an Szenen. Am Morgen ist alles geregelt. Falls nicht, schlafe ich nochmal drüber.
Obwohl ich selber nicht viele Filme schaue, sehe ich jede einzelne Szene im Buch als Film. Dazu schreibe ich so etwas wie das Drehbuch. (Die Verfilmung meiner Romane drängt sich aus diesem Grund geradezu auf ;-)) Insofern ist das Sehen stark involviert.

Wie wichtig ist Leser Feedback für Dich?
Lesen und Schreiben haben unglaublich viel mit Wahrnehmung zu tun. Ich kann ein Buch lesen, in dem eine Frau mit blondem Haar vorkommt. In meiner Fantasie ist sie aber schwarz mit einem Hang ins Kastanienbraune. Das lasse ich mir vom Autor überhaupt nicht reinreden;-)
Aus diesem Grund bin ich sehr interessiert an den Wahrnehmungen meiner Leser und einem Austausch, der zeigt, welche Bilder und Gedanken meine Texte auslösen. Ich habe allerdings zu wenig publiziert, um von einem Dialog mit "meinen" Lesern sprechen zu können.
Beim Schreiben stelle ich mir eine Modell-Leserin vor. Ich nenne sie meine "Audience of One", der eine wichtige Mensch, für den ich den ganzen Aufwand betreibe, dessen Biographie ich genug kenne, um zu wissen, was ich erklären muss und was nicht. Mit dieser Person (sie weis nicht, dass sie meine Modell-Leserin ist) in echt über mein nächstes Buch zu sprechen - Mannomann, das wäre ein Ding!

Wie können Leser Dich erreichen?
Über meine Homepage, auf Facebook, Twitter und Google+, an den vielen Lesungen, die ich noch halten werde ;-)).

Was ist das beste Buch, das Du je gelesen hast?

Das ist unfair! Zu viele Bücher, zu viele wichtige Bücher für mich! Aber ich muss mich entscheiden, das eine Buch für die Insel aussuchen:
The World According to Garp (John Irving)
Aber eben. Ich mag nicht daran denken, welche Bücher ich zurücklassen müsste. Womit wir bei Fahrenheit 451 angelangt sind, und all den Dystopien, die mir wichtig sind. Doch auch das ist nur ein Bruchteil dessen, was mich ausmacht. Meine Lesebiographie ist fast so wichtig, wie mein richtiges Leben und eng damit verknüpft. Ich könnte noch Jim Knopf oder Krabat, 1984, Homo Faber, Ansichten eines Clowns, der dunkle Turm, die Rote Zora, Pitschi, Stein und Flöte, How to be Good, The Hitchhiker's Guide... und viele mehr nennen.
Mit anderen Worten: Ich würde wohl einen E-Reader und ein Solarpanel mit auf die Insel nehmen.

Herzlichen Dank, dass Du uns diese interessanten Einblicke in Dein Schaffen und Deine Denkweise erlaubt hast. Wie gesagt, wird Dein Erstlingswerk im Frühjahr 2014 erscheinen. Wir sind gespannt darauf, und auf Deine Lesungen. Viel Erfolg!
 

 

Kommentare:

  1. Nice interview! I love that Tom calls himself a totally unknown author - surely best-selling authors start off 'unknown'?? Hang in there Tom, your time will come :)

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    1. I liked that part, too!
      Thanks for your support Jaxbee, I'll pass it on to Tom.

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    2. Thanks, Jaxbee, for your encouraging lines! Regards, Tom

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