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07.02.2013

Warnschilder (Teil 4)

"Ich fasste durch sie hindurch!" Mikes Gesicht war ein grosses, kalkweisses Fragezeichen.

Wir hatten kaum die Zeit, einander anzustarren, brach die Hölle los. Da war ein Gurgeln und Rollen und Stöhnen. Die Erde begann zu beben. Wir wirbelten gerade rechtzeitig herum, um mitzubekommen wie sich ein guter Teil des Kamms, auf dem wir vorhin gestanden hatten, verflüssigte und den Hang hinunter glitt – Felsen, Bäume, alles.

Mike war so bleich geworden wie ich mich fühlte. Er schluckte leer und sagte: "Du hast recht. Ich denke, wir gehen besser ins Hotel zurück. Wir können jederzeit zurück-kommen, wenn das Wetter stabiler ist."

 ***
Weil wir so früh von unserer Suche heimgekommen waren, blieb nach dem Duschen massenhaft Zeit bis zum Abendessen. I liess Mike an der Hotelbar zurück, wo er seinen Schock in Schwyzer Bier ertränkte, und machte einen Spaziergang durchs Dorf.

Ich weiss nicht, wie es kam, dass ich plötzlich vor einem Haus in der Nähe des Zoo-Eingangs stand. Die altmodische Schrift an der Fassade verkündete: "Bergsturz Museum". Es war fast, als stiesse mich etwas durch den Eingang.

Die Exponate zeigten Goldau vor und nach der Katastrophe, auf deren Überresten wir die ganze Woche herumgekrabbelt waren. Es gab zwei Modelle der Gegend. Eines zeigte einen grünen, nicht sehr hohen Berg an dessen Fuss sich Dörfer und Weiler schmiegten. Auf dem anderen fehlte der halbe Hang und Geröll füllte das Tal, wo die Häuser gestanden hatten.

"Der zweite September 1806", liess eine leise, tiefe Stimme hinter mir mich zusammenfahren. "Der Tag, an dem die Welt endete."

Ich muss ziemlich matt ausgesehen haben, denn der Mann fuhr fort: "Entschuldigen Sie. Ich wollte Sie nicht erschrecken. Sie wohnen im 'Waldgasthof', nicht wahr?"

"Ja. Mein Mann und ich kamen hierher um… zu wandern."

"Oje! Ich hoffe Sie sind nicht gegangen. Nach langen Regenperioden ist der Boden immer noch sehr instabil."

"Doch, leider." Warum erzählte ich ihm das so offen? Und warum konnte ich nicht aufhören? Die Worte fielen geradezu aus meinem Mund.

"Waren Sie heute dort oben, als der kleine Abrutsch passierte?"

Ich schluckte, nickte.

Der Mann nickte auch, als ob er wirklich alles verstünde.

"Aha", sagte er. "Manche Leute im Dorf finden, man sollte Schilder aufstellen, um die Touristen zu warnen. Ich bin nicht sicher, ob das notwendig ist. Die alten Leute sind meiner Meinung." Er sah mich seltsam an und fuhr fort: "Glücklicherweise wurden Sie nicht verletzt."

"Ja", kicherte ich. Dann sah ich zum Modell hinüber und begann plötzlich laut zu schluchzen.

Der Mann wartete bis ich meine Haltung zurückgewonnen hatte. Dann bot er mir ein Taschentuch an, und ich schnäuzte mich.

"Können Sie mir sagen, wie es…?", fragte ich und deutete mit dem Kinn auf das Geröll im Modell.
(Fortsetzung folgt)

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