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20.10.2012

Paranoia (Teil 2)

Ich vor dem Kamin, die Fussballtrophäe von Richard, den Staubwedel in meiner Hand… Und dann? Ich habe Angst. Bilder tauchen auf. Geräusche, unzusammenhängende Gesprächsfetzen, Richards Gesicht ganz nah an meinem. Eine Hand reckt nach mir. Ich kann mich weder rühren noch atmen. Schweissperlen rinnen mir die über die Wangen. Ich fürchte mich, will davonrennen…

Die Erinnerungen sind so überwältigend, dass mich Übelkeit übermannt. Ich bin schweissgebadet und fühle mich klebrig. Ich schleppe mich über einen Boden aus Kaugummi zum Badezimmer. Erschöpft hänge ich über dem Waschbecken. Das Wasser, das ich mir ins Gesicht spritze nützt nichts. Ich fühle mich noch klebriger, kann mich nicht überwinden, mein Spiegelbild anzusehen.

                                                                       ***

Es wird wohl Zeit, dass ich mehr von Richard erzähle. Meine Freunde würden mir nicht glauben; am wenigsten Carola. Aber ihr werdet zuhören, nicht?
Er ist nicht böse, wisst ihr? Er ist einfach so temperamentvoll. Das liegt an seinen irischen Vorfahren. Der Arbeitsstress macht ihm auch zu schaffen. Er verletzt mich selten ernsthaft. Dann muss ich wohl die Fussballtrophäe fallen gelassen haben.
Das würde erklären, warum er so wütend wurde. Sie bedeutet ihm viel. Eigentlich ist es gar nicht so schlimm, wie letztes Mal. Komisch. Jetzt, wo ich darüber nachdenke – heute tut es gar nicht weh.
Ich werde mir einen Kaffee machen. Das wird mir helfen, mich in zurecht zu finden. Wo ist der Zucker? Im Wohnzimmer. Richard muss ihn gestern Abend dort gelassen haben. Er macht mir immer Kaffe nachdem er…
Ich muss ihn holen, kann meinen Kaffee nicht ohne Zucker trinken. Mist! Warum ängstigt es mich plötzlich, diesen Raum betreten zu müssen? Sei nicht albern, Mädchen! Atme tief ein und geh los!

Diesmal ist es noch schlimmer. Ich habe kaum den Fuss über die Schwelle gesetzt, als eine kalte Welle über mich schwappt. Mir wird schwindlig und ich muss mich am Türrahmen festhalten, um nicht hinzufallen. Ich kann nicht atmen und das Blut rauscht mir in den Ohren.

Durch den Lärm hindurch höre ich Schritte draussen auf der Treppe. Meine Schläfen pochen. Was immer es ist, es ist gekommen, um mich zu holen. Ich weiss es. Es hat den Treppen-absatz erreicht. Es nähert sich der Tür. Jetzt das Geräusch eines Schlüssels im Schloss. Es ist Richard!

Nein, er kann es nicht sein. Er ist auf der Arbeit. Aber wer hätte sonst einen Schlüssel. Schliesslich schaffe ich es, den Türrahmen loszulassen und zum Schlafzimmer zu gehen. Am besten verstecke ich mich, bis der Eindringling verschwunden ist. Mein Herz schlägt so laut, er wird es hören. Die Schritte gehen zum Wohnzimmer. Etwas wir über den Boden gezerrt. Das Ding, wonach ich suche!

"Sei nicht doof", sage ich zu mir. "Was solltest du denn suchen?"

Der Fremde stöbert herum. Wahrscheinlich ein Einbrecher, der denkt, wir seien beide bei der Arbeit. Wenn es Richard wäre, hätte er bereits meinen Namen gerufen. Wo ist er? Warum ist er nicht hier, wenn ich ihn so dringend brauche?

                                                                       ***
Ich muss eingeschlafen sein. Ich habe nicht gehört, wie der Eindringling verschwand, aber alles ist jetzt ruhig. Vorsichtig, mit immer noch pochendem Herzen, krieche ich unter dem Bett hervor. Unglaublich, wie viel Staub sich in der kurzen Zeit, die wir hier wohnen, angesammelt hat.

Die Wohnung ist verlassen. Aber ich kann mich immer noch nicht überwinden, im Wohnzimmer nachzusehen. Ich gehe in die Küche, um mir ein Glas Wasser zu holen, und stehe bockstill.

Die Fussballtrophäe von Richard steht in der Spüle. Wassertropfen glänzen darauf und rinnen über die polierte Oberfläche. Die runde Oberseite ist zerbeult. Was hat er damit gemacht, und warum hat er sie abgewaschen?

Ich stelle sie lieber auf den Kaminsims zurück bevor er wieder wütend wird. Eine Abreibung wegen des blöden Dings reicht mir für eine Weile. Ich drehe mich um, bemerke Richard in der Tür.
(Fortsetzung folgt)
Bilder aus Clip Art Gallery

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