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17.10.2012

Paranoia (Teil 1)


Gestern war noch alles in Ordnung. Jedenfalls so in Ordnung, wie das Leben mit Richard sein kann. Um die Wahrheit zu sagen, ich war von Anfang an dagegen. Es musste im Desaster enden. Die erste gemeinsame Wohnung ist etwas Spezielles; wie der Mann mit dem man sie teilt. Na gut, Richard ist einzigartig.
Verwirrt? Kein Wunder. Es ist eine verwirrende Geschichte und ich fange besser am Anfang an.
"Es wird besser, wenn wir erst zusammen wohnen, du wirst sehen", versicherte mir Richard, als er zum ersten Mal mit dieser Idee ankam. "Weniger stressig als das ewige Herumhüpfen zwischen Büro, meiner Wohnung und deiner. Wenn wir uns erst richtig kennen, werden wir auch lernen, toleranter zu sein. Komm schon, sag du denkst darüber nach."

Zwei Tage später schwenkte er eine Zeitung, in der mehrere Anzeigen rot eingekreist waren. Eine hatte sogar ein Ausrufezeichen daneben.

"Na, was denkst du?", fragte Richard lächelnd, als wir zum ersten Mal im heimeligen Wohnzimmer standen.

Ich hatte mich bereits in den Holzboden, die Balken an der Decke und den Kamin verliebt. Spätes sechzehntes Jahrhundert. Also ignorierte ich mein Bauchgefühl und sagte zu.


Natürlich wurde nichts besser. Ich realisierte bald, dass er mich zerstören würde, wenn ich ihn nicht verliess. Aber versuch das deinem Partner zu erklären! Meine Freunde waren auch keine Hilfe.

"Richard verlassen? Das kannst du nicht tun, Schatz!" Carola war entsetzt, als ich sie um Rat fragte. "Er wäre am Boden zerstört. Und warum solltest du? Er hat einen fantastischen Beruf, ist gross, gutaussehend und muss ein Ass im Bett sein."

In dem Moment war Richard ins Restaurant gekommen, gab Carola einen Kuss auf die Wange, mir einen richtigen und einen Strauss Rosen.

"Siehst du?", sagten ihre Augen über den Rand ihres Weinglases hinweg.

Da realisierte ich, dass mich niemand verstehen würde; schon gar nicht helfen. Sie dachten, ich sei verrückt. Jeder würde dem zustimmen. Jeder würde denken: "Das Mädchen ist einfach nicht bereit für eine ernsthafte Beziehung." Sie haben keine Ahnung.

Aber ich kann dieses Spiel auch spielen. Wenn man mich für verrückt hielt, warum sollte mir das nicht meine Freiheit bringen? Ich fing an, Richard zu erzählen, dass ich Geräusche hörte, klagte, ich fühlte mich beobachtet, wollte, dass er den Besitzer anrief um zu fragen, ob frühere Mieter auch "Dinge" wahrgenommen hatten.

"Bist du von allen guten Geistern verlassen? Drei andere Parteien leben hier, und niemand hat mir je komische Geschichten erzählt!", schrie Richard. "Willst du, dass wir zum Gespött des Hauses werden?"

Das war gestern gewesen. Ich stand im Wohnzimmer, wischte Staub vom Kaminsims. Der folgende Streit war mir egal. Ich war sicher, es würde der letzte sein. Ich erinnere mich, dass ich Richards Fussballtrophäe hielt. Ich denke, ich sah sie zu Boden fallen. Hatte ich sie fallen lassen oder Richard? Danach war es dunkel.

                                                                         ***

Als ich heute Morgen erwachte, war es, als sei ich in meinen eigenen Fantasien gefangen. Da waren seltsame Geräusche, alles war verschwommen und ich fühlte mich – schwabbelig, irgendwie ohne Substanz. Ich habe immer noch Schwierigkeiten, mich zurecht zu finden (in meiner eigenen Wohnung!) und die Zeit spielt mir Streiche. Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft scheinen in eine zähflüssige Masse verschmolzen. Wenn ich ins Wohnzimmer gehen will, packt mich Angst. Furchtbares muss sich dort zugetragen haben. Ich scheine nach etwas suchen zu müssen. Wenn ich nur wüsste, wonach. Fühlt es sich so an, wenn man durchdreht?

Gehen wir das Ganze rationell an. "Denk nach, Mädchen! Was ist das Letzte, woran du dich klar erinnern kannst?"
(Fortsetzung folgt)

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