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25.12.2011

Kirschlikör (Teil 3)

Fast zehn Jahre lang waren Louise und ich befreundet. Als sie krank wurde, verlegten wir die
Picknicks auf den Wohnzimmerboden. Anstelle unserer Ausflüge las ich ihr vor. An dem Tag,
als sie mir das Kirschlikör-Rezept ihrer Grossmutter gab, wusste ich, dass sie bereit war zu
gehen.

Und da standen wir also an diesem Samstagnachmittag. Louise hätte sich über den
Volksaufmarsch amüsiert. So sehr hatten sich die Nachbarn noch nie für sie interessiert.

Ihre Verwandten kümmerten sich um alles. Ich kam mir hilflos und überflüssig vor; eine der
Schaulustigen, die zusahen, wie der billige Sarg in den Leichenwagen geladen wurde. Ihre
Nichte trat zu mir und reichte mir eine Flasche.

"Da stand Ihr Name drauf", sagte sie.

Vor Tränen konnte ich das Etikett kaum lesen, aber ich wusste, was es war.

"Danke, dass Sie ihr eine Freundin waren. Sie hätte sich sonst schrecklich allein gefühlt."

Ich nickte nur.

Dann wurde Louise weggebracht und die Nachbarn gingen wieder ihrer Wege.

Ich muss ein seltsames Bild abgegeben haben, ganz allein auf dem Vorplatz mit einer Flasche
in der Hand. Keine Ahnung wie lange die beiden jungen Leute schon dagestanden hatten. Ich
bemerkte sie erst, als mich das Mädchen ansprach:

"Sie waren ihre Freundin, nicht?"

"Ja."

Der Junge meinte: "Ich fand's cool, wie Sie auf dem Wohnzimmerteppich picknickten."

Seine Freundin, oder wie die jungen Leute das heute nennen, erklärte: "Wir wohnen erst seit
ein paar Wochen hier und können von unserer Wohnung direkt in Ihre sehen."

"Ich bin Sven und das ist Anja", hakte er nach. "Wir hätten Sie gerne unter besseren
Umständen kennen gelernt. Sie sind nicht so spiessig wie die anderen."

"Kommen Sie." Anja legte mir ihren Arm um die Schulter. "Ich glaube, wir können alle etwas
Essbares vertragen."

ENDE

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