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18.12.2011

Kirschlikör (Teil 2)

"Wie meinen?"
"Laut meiner Grossmutter das beste Rezept gegen Niedergeschlagenheit." Sie drehte sich mir
zu und lächelte. "Möchten Sie einen?"

Verwirrt nickte ich. Schwups öffnete sie ihre Tasche und zauberte eine Flasche und zwei
Kristall-Likörgläschen auf die Bank, füllte sie und hob das ihre.

"Ich bin Louise."

"Rosa."

"Prösterchen."

Er schmeckte wirklich unvergleichlich und ich musste mit einem Mal lachen. "Bist du sicher,
dass du Louise und nicht Mary Poppins heisst?"

"Ziemlich. Warum?"

Ich deutete auf die Tasche.

Louise grinste: "Es sind noch zwei Muffins drin."

Von da an trafen wir uns regelmässig zu Kaffee, Kuchen und Likör. Wir machten Ausflüge
und assen sonntags zusammen, mal bei mir, mal bei Louise. Sie war viel gereist, die Wände
ihrer Wohnung strotzten vor selbstgeschossenen Fotos aus aller Welt.

"Mein Pedro ist letztes Jahr gestorben", sagte sie. "Wir hatten keine Kinder und kaum
Verwandte in Mexiko. Meine Familie lebt hier, also kam ich nach Hause." Sie schnaubte. "Na
ja, jeder macht Fehler. Es ist kalt hier."

Louise erzählte, wie sie Pedro in Guatemala kennen gelernt hatte. Sie war mit einer
landwirtschaftlichen Forschungsgruppe unterwegs gewesen. Die frisch gebackene
Agronomin verliebte sich unsterblich in den verwegenen Botaniker, der einer seltenen
Orchidee auf der Spur war. Sechs Monate später hatten sie geheiratet. Pedros Leute
begrüssten die Braut mit Freuden als neues Familienmitglied, aber Louises Verwandte
akzeptierten ihren Mann nie. Die Eltern weigerten sich sogar, zur Hochzeit zu kommen.

Man konnte neidisch werden, wenn Louise von ihren Reisen durch Südamerika, Afrika und
Asien berichtete.

"In vielen warmen Ländern findet das Leben nach Sonnenuntergang auf der Strasse statt",
sagte sie. "Man stellt ein paar Holzkisten als Tische auf den Gehsteig, einige Stühle oder
Schemel und dann taucht die gesamte Nachbarschaft auf. Jeder bringt eine Schüssel oder ein
Getränk. Man tratscht, isst, lacht..."

Wir versuchten, Nachbarschaftstreffen zu organisieren. Der Erfolg war mässig, also liessen
wir es schliesslich bleiben. Wir hatten wenigstens einander. Oft fragte ich mich, was die
anderen Mieter über die beiden Omas dachten, die auf dem Rasen picknickten und auch mal
die Schaukeln oder die Rutschbahn unsicher machten. Aber beschwert hat sich nie jemand.

(Fortsetzung folgt)

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