Cookies

This site uses cookies, for example to provide statistics, or to enable you to post comments. If you don't want that, please, adjust your personal browser to block cookies. (If you do so, the site might not run smoothly anymore.)
I apologise for any inconvenience.

Diese Seite verwendet Cookies, z.B. zum Erstellen von Statistiken, aber auch, um das Posten von Kommentaren zu ermöglichen. Ist dies unerwünscht, bitte den persönlichen Browser so einstellen, dass Cookies blockiert werden. (Es könnte sein, dass dadurch die Seite nicht reibungslos läuft.)
Ich entschuldige mich für eventuelle Unannehmlichkeiten.

01.12.2011

Flucht (Teil 4)

Ich hatte noch einige Stunden totzuschlagen. Ich war noch nie so weit nördlich gewesen und
sah mich gründlich um. Zum Glück war der Eintritt in den Munot gratis. Die höhlenartige
Burg fand ich cool. Mittags kaufte ich mir einen Burger, dann spazierte ich etwas
herum. Schliesslich machte ich mich zum Treffpunkt auf.


Vermissten sie mich zu Hause etwa schon? Telefonierten sie wie wild herum, um mich zu
finden? Eins war klar: sie schrien sich sicherlich an. Würden sie wieder zusammen kommen?
Im Kummer vereint? Wohl kaum.
"Hallo, du."

Kevin stand hinter mir. Ich hatte gar nicht bemerkt, wie spät es geworden war. Froh, ihn zu
sehen, schlug ich ein. Jetzt würde alles gut.

Er hörte sich meine Geschichte an, dann sass er eine Weile stumm da.

"Weisst du", sagte er schliesslich, "als meine Eltern anfingen, über Scheidung zu sprechen,
fiel eine Welt zusammen."

"Und?", drängte ich, als er nicht weiter redete.

Kevin zuckte die Schultern. "Es war hart wegzuziehen, neue Freunde suchen zu müssen und
alles. Zuerst dachte ich, ich würde meinen Vater nie wieder sehen, weil er wegen seines
neuen Jobs ins Tessin fuhr. Aber weisst du was? Ich habe jetzt fast mehr von ihm. Als sie
noch zusammen waren, war er meistens auf der Arbeit. War er zu Hause stritten sie. Jetzt
kommen sie viel besser miteinander aus. Stell dir vor, wir werden Weihnachten zusammen
feiern; Mutter, ich, Vater und seine neue Freundin. Naja, er nennt sie 'seine Partnerin'."

Wir grinsten beide.

"Aber das coolste ist", Kevin versetzte mir einen Rippenstoss, "Im Tessin, wo er jetzt
wohnt, kann man toll Ferien machen."

Ich musste lachen. Es tat weh, daran zu denken, dass meine Familie auseinander gerissen
wurde. Trotzdem fühlte ich mich leichter. Laut Kevin gab es in allem etwas Gutes. Wie etwa
Eltern, die einander nicht ständig anschreien.

Meine Eltern würden auch nicht so weit auseinander leben, wie die von Kevin. Vater hatte
seine Arbeit noch, und Mutters Verwandte lebten in der Nähe. Mit wem würde ich
schlussendlich wohnen? Ich liebte sie doch beide. Würden Jana und ich auch mehr mit Vater
zusammen sein können wenn alles geregelt war?

So viele Fragen stürmten in meinem Hirn herum, standen Schlange, um eine Antwort zu
erhalten. Ich merkte, dass ich eine Aufgabe zu erledigen hatte. Ich musste uns alle an einen
Tisch bringen. Wir mussten die Bedingungen für einen Waffenstillstand aushandeln. Wir
konnten einander nicht einfach weiter anschmollen. Keine Flucht mehr in die Musik oder das
Skateboarden. Kein Weglaufen mehr!

"Komm! Zeit fürs Abendessen", hörte ich Kevin sagen.

Ich nickte. "Lass mich nur schnell telefonieren. Meine Leute müssen wissen, dass es mir gut geht."

Ende

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen