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06.11.2011

Flucht (Folge1)

Ich weiss nicht, was schlimmer war, das Geschrei oder die Stille. Als ich klein war, schrien
sich meine Eltern nie an. Sie lachten die ganze Zeit. Jedenfalls in meiner Erinnerung. Jetzt
schienen sie sich gar nicht mehr normal unterhalten zu können.

Bei den Mahlzeiten war's am schlimmsten. Wir sassen alle beisammen und kauten stumm,
wie eine Herde Kühe. Von Zeit zu Zeit versuchten Jana oder ich, eine Unterhaltung zu
beginnen, wie etwa: "Das schmeckt gut, Mama. Woher hast du das Rezept?" Aber es
funktionierte nicht richtig.

An diesem Abend war es nicht anders. Vater hatte kaum aufgegessen, als er sagte:
"Ich habe morgen einen Termin in Zürich."

Keine Antwort von Mutter, wie üblich nach einer solchen Einleitung.

"Es könnte spät werden. Vielleicht bleibe ich über Nacht."

"Mhm."

"Ich brauche das Auto."

"Ich habe morgen einen Zahnarzttermin", sagte Mutter schliesslich. "Ich brauche das Auto."

"Ich dachte, wir hätten vereinbart, dass die Arbeit vor geht?" Vaters Stimme war bereits
einen Tick lauter.

"Deine Arbeit geht immer vor. Ich sagte dir vor zwei Wochen, dass ich den Wagen brauchen
würde. Aber natürlich kümmert dich das nicht. Es ist dir egal, wenn ich den ganzen Morgen
brauche, um dorthin zu kommen!"

"Soll ich die Sitzung absagen?", schrie Vater zurück. "Ist es dass, was du willst?"

"Als ob es dich kümmerte, was ich will..."

Jana und ich sahen einander an und zogen uns auf unsere Zimmer zurück. Wir konnten
immer noch jedes Wort verstehen, das sie aufeinander abfeuerten, trotz der zwei Türen
zwischen uns. Bald darauf versuchte Robbie Williams, unsere Eltern aus Janas Stereoanlage
heraus zu übertönen. Wahrscheinlich lag sie auf ihrem Bett, die Nase in einem Buch. Aber ich
las nicht gern und wollte keine Musik hören. Ich hätte Hausaufgaben machen können. Aber
so verzweifelt war die Lage dann doch nicht.

Ich war so aufgezogen und wütend, ich dachte, ich müsste platzen. Also packte ich mein Skateboard und floh auf die Strasse. Wie immer, wenn ich Dampf ablassen musste.
(Fortsetzung folgt)

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