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01.10.2011

DRACHENFEUER (Teil1)

Geschichten sollten mit einem Knall beginnen. Sicherlich nicht mit langatmigen medizinischen Details. Weil jedoch nicht jeder mit Drachenanatomie vertraut ist, braucht es eine grundlegende Einführung ins Feuerspucken, um die schwierige Lage zu begreifen, in der sich Rufus an jenem Morgen befand.

Gleich beim Aufwachen spürte er es kommen: dieses unmissverständliche Kitzeln hinter den Ohren, den Nerventick gleich unterhalb des Bauchnabels, gefolgt vom gefürchteten Pochen in der Brust, das mit seinem Herzschlag um die Wette lief. Sein Hals wurde eng. Er versuchte noch, es zurückzuhalten, aber es war zu spät. Begleitet von einem Gefühl wie gefrorene Füsse im Feuer brach es mit einem höhlenwand-erschütternden

"Hick!" aus ihm heraus.
Der durchschnittliche Mensch betrachtet einen Schluckauf mit einer Mischung aus es lustig finden und sich darüber ärgern. Rufus ging durch alle Stadien von Panik inklusive geröteten Wangen, aufstehenden Nackenschuppen und stinkenden Füssen.

Und genau hier wird die Anatomie wichtig. Eine Drüse in der Leber, gleich neben der Gallenblase, filtert die Zutaten für das Drachenfeuer (hauptsächlich Schwefel und Phosphor) aus dem Blut, mischt sie und spritzt den Brennstoff durch eine knorpelige Röhre in den Magen. Dort entzündet eine chemische Reaktion mit der Magensäure eine Flamme und der Drache spuckt sie aus, indem er den Solar Plexus zusammenzieht. In anderen Worten: Er benutzt seine Bauchmuskeln dazu.

Ein Schluckauf ist ein Solar Plexus Krampf. Er kann zu immer häufigeren Feuerstössen führen. Gleichzeitig schluckt der Drache mit jedem Hick unglaubliche Mengen an Sauerstoff. Sauerstoff macht das Feuer heisser. Im besten Fall schmilzt sich ein an Schluckauf leidender Drache nur ein bisschen in die Erdkruste ein. Im schlimmsten Fall wird das Feuer so heiss, dass es den Drachen von innen heraus in Asche verwandelt.
Rufus war unglaublich schlecht gelaunt.
(Fortsetzung folgt)

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